fertig gelesen am 04.01.17
Julya Rabinowich
stand schon lange auf meiner Leseliste, ich kann mich erinnern, dass
ein Professor der Komparatistik dieses Buch mal empfohlen hat. Man, das
ist lang her ^^ Jedenfalls hatte ich jetzt Anlass es zu lesen. Die
Geschiche handelt von einer Frau die nach ihrer Herzoperation eine
ungesunde Besessenheit für ihren Chirurgen entwickelt. Zur Handlung gibt es in diesem relativ kurzen Text nicht viel zu sagen. Spannend war die sprachliche Umsetzung. Rabinowich fügt in ihren Prosatext häufig kurze Gedichte ein, die sich in Variationen immer um die selben Motive drehen: das Herz der Protaginistin in der Hand des Chirurgen. Ich hatte den Eindruck, dass damit Träume vermittelt werden sollen, allerdings fließen diese später auch in den Prosatext ein. Die Sprache des Fließtextes konnte mich über weite Stecken nicht überzeugen. Oft wird statt einem Punkt ein Beistrich gesetzt, was trotz langer Sätze einen sehr gehetzen Eindruck beim Lesen auf mich gemacht hat.
Trotzdem gab es ein paar Textstellen, die mir sehr gut gefallen haben. So etwa die Beschreibung der besten Freundin der Hauptfigur: Bernhard kann Carla nicht leiden, weil sie zu unberechenbaren Lachanfällen neigt, die unsere Weingläser im Buffet zum Klingen bringen, sie hat ein umwerfendes Organ und eine umwerfende Figur, wenn ihr Busen vertont werden würde, wäre er "Also sprach Zarathustra". Ich finde, da bekommt man innerhalb weniger Zeilen ein markantes Bild.
Sprachlich spannend fand ich folgenden Satz: Ich denke unwillig an diesen Körper zurück, der mit roten Flecken, die die aufgelegten Elektroden auf ihm verursacht haben, geschmückt in der Vitrine des Spitalsbettes den geschickten Meisterhänden feilgeboten lag. Ich glaube, es ist das Verb feilbieten, das mich hier fasziniert.
Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich die Lektüre genossen habe, aber ich kann den Wert des Textes durchaus sehen. Ich könnte mir vorstellen, Teile daraus für den Unterricht zu verwenden. Außerdem denke ich, dass die Darstellung der psychischen Krankheit gut gelungen ist. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum ich die Lektüre nicht so reizvoll fand – das Thema ist nicht so meines. Als Genusslektüre kann ich das Buch daher nicht unbedingt empfehlen, aber ich würde trotzdem anraten, mal einen Blick hineinzuwerfen. Ich denke, dass viele wichtige Themen in diesem Buch aufgeworfen werden, die sich gerade in der Diskussion über den Text entfalten könnten.
Sarah L.
Buch 1 von 52
P.S.: So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache Nerven. – Marie von Ebner-Eschenbach
ich würde das Buch auch als "interesting woman" oder "character with a disability" zählen lassen :)
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